Fairbanks, das goldene Herz Alaskas

Es ist verständlich, dass bei einer  Weltumrundung wirklich nur die bedeutendsten Sehenswürdigkeiten und absoluten Höhepunkte ins Reiseprogramm finden. Auch in Alaska war es nicht einfach, die Fülle an Natureindrücken, die abwechslungsreiche Geschichte und zahlreiche Besonderheiten kompakt, doch ohne Reisestress unterzubringen. Pflichtstopp bei jeder Alaska-Reise ist natürlich Fairbanks. Die Geschichte der Stadt beginnt zwar erst 1902, allerdings gleich mit einem ordentlichen Goldrausch. Entsprechend lautet einer ihrer bekannten Beinamen: Fairbanks, das goldene Herz Alaskas. Hier endet der George Parks Highway und die Alaska Railroad. Wir pendeln  zwischen Aurum und Aurora.

Wenn wir bei unserer Passage in Fairbanks stoppen (12.Reisetag; vgl. Reiseverlauf), haben wir bereits Gold gesehen bzw. in der Hand gehabt. Etwas nördlich der Stadt wird  gehalten, um die berühmte Transalaska-Pipeline kennenzulernen. Durch sie wird das „schwarze Gold“  über fast 1300 Kilometer vom Norden Alaskas bis zum eisfreien Seehafen im südlichen Valdez befördert. Gleich visavis geht es um echtes Gold, auf dem Anwesen der „Gold Daughters“. Hinweis: Goldwaschen (vor allem bei ersten Mininuggets-Erfolgen) kann süchtig und (gold)rauschig machen. Das größte Nugget Alaskas  wurde übrigens erst 1998 gefunden (leider nicht bei unseren Goldtöchtern). Es wiegt 9 Kilogramm.

   

Nach Ankunft in der Golden Heart City nehmen wir uns ausreichend Zeit für einen Spaziergang durch die überschaubare Downtown am Chena-Fluss. Und für den Besuch des modernen Kulturzentrums, dem „Morris Thompson Cultural and Visitors Center“. Morris war ein zum Volk der Athapasken gehörender Kuyukon-Indianer. Ein echter Häuptling: Stammeschef, Firmenboss und politische Leitfigur. Die Namensgebung anerkennt seine indigenen Wurzeln und sein sozial-politisches Engagement. Im Zentrum selbst finden wir Infostelle und Shop. Und das Büro von Tourismushäuptling Scott Mc Crea, der Wolfgang und mich im Sommer 2017 sehr gastfreundlich empfangen hat. Hier gibt es aber vor allem eine eindrucksvolle, multimediale  Ausstellung über Land und Leute der Athapasken (How we live: the people and the land). Wieder verblüffen die Ähnlichkeiten mit den alten Völkern Sibiriens.

Gleich daneben erkennen wir einen außergewöhnlichen Torbogen.

Tourismus-Häuptling Scott vor dem Geweih-Bogen (Antler Arch)

 

Er ist nicht nur originelles Wahrzeichen und Kunstwerk (manche sagen vielleicht Installation), jedes Geweih symbolisiert individuelle Jagderlebnisse, Lagerfeuergeschichten und Lebenserinnerungen des Nordens. Das akzeptiere auch ich als Nichtjäger. Über 100 Elch- und Karibugeweihe haben Jäger aus ganz Alaska zusammengetragen: u.a. aus Fairbanks, Fort Yukon, Tanana und North Pole. Für das Tor nach Fairbanks, das goldene Herz Alaskas.

Nach dem Orientierungsbummel ist ausreichend Zeit für individuelle Besichtigungen, Shopping oder einen Lokalstopp in der unmittelbaren Stadtmitte. Sie haben die Wahl:

  • Das „Yukon Quest“-Zentrum: informieren Sie sich über das berühmte Hundeschlittenrennen über 1000 Meilen von Fairbanks nach Whitehorse

  • Gleich am anderen Ufer des Chena liegt die Kirche der unbefleckten Empfängnis, vor über 100 Jahren erbaut mit Spenden der überwiegend katholischen Goldgräber
  • Das Eismuseum
  • Die 500 Meter auf der 1st Avenue zahlen sich aus: im Big Daddy`s BBQ gibt es nicht nur angenehme Getränke, sondern schmackhaft Gegrilltes: von chicken wings und smoked turkey über pulled pork bis zur Spezialität, dem beef brisket (Scott’s Empfehlung!)
  • Lust auf Kaffee und etwas Süßes? „Fudge Pot“, die größte Auswahl an Schoko-, Caramel- und Beerenkuchen.
  • Die Souvenirgeschäfte wollen wir nicht extra erwähnen

Bereits am 21.August beginnt in der Region die Nordlicht-Saison. Fairbanks ist einer der weltweit besten Plätze zur Beobachtung  dieses gewaltigen Naturphänomens. Die „Aurora“ ( Aurora borealis/nördliches Polarlicht; geladene Teilchen des Erdmagnetfeldes leuchten, wenn sie auf unsere Atmosphäre treffen) kann über das Winterhalbjahr bis in den April auftauchen.  Je dunkler  die Nächte und je klarer der Himmel, desto größer ist die Chance, die meist  grünen Lichtmuster am Himmel tanzen zu sehen. Das Geophysikalische Institut der örtlichen Universität liefert uns nicht nur genaue Informationen, sondern auch eine bis zu 28 Tage geltende Vorschau.

Die von mir begleitete 1.Gruppe der Nordost-Passage wird wahrscheinlich keine Aurora-Sichtungen schaffen (auch weil die Nächte in Alaska Anfang August noch recht hell sind). Doch unsere späteren Gruppen haben Chancen: das Polarlicht  kann bei günstigem, wolkenfreien Wetter sogar an unserem Nächtigungsort am Denali gesehen werden. Vom Balkon unseres Grizzly Bear Resorts oder besser vom nahen (hoffentlich Grizzly Bear-freien) Ufer des Nenana-Flusses. Beste Beobachtungszeit: zwischen 22.00 und 02.00 morgens.